Evangelische Kirchengemeinde Kraftsdorf

Geistliche Impulse für den Küchentisch in den Festzeiten des Kirchenjahres....

 

An dieser Stelle finden Sie ab und an Andachten, Gebete, Predigten aus zurückliegenden Gottesdiensten.

 

Predigt im Gottesdienst zum Hl. Abend 2024 in Niederndorf, Pörsdorf und Kraftsdorf

Der Weihnachtsfrieden hat es schwer

Ich bin froh, dass Weihnachten ist. Das Gerenne in den Tagen zuvor hat nun ein Ende. Der Schreibtisch ist aufgeräumt, die Wohnung geputzt, der Baum geschmückt, die letzten Geschenke zusammengepackt. Jedes Jahr dasselbe Gerenne, die gleiche innere Unruhe, die innere Zerrissenheit zwischen Heiliger Nacht und unheiligem Tagesgeschäft. Der Weihnachtfriede Gottes hat es schwer in diesen Tagen im Verpflichtungswahn des eigenen Alltags.

Er hat es noch viel schwerer, wenn ich in diesem Jahr einen Blick über meine eigene kleine Welt lenke. Weltweit ist der Friede auf dieser Welt ist so fragil und brüchig wie lange nicht mehr: Es knarrt an allen Enden der Erde. Nicht nur im Nahen Osten und in Osteuropa scharren die Militärstrategen mit ihren Hufen oder lassen gleich selbst die Säbel rasseln. Die Angst, mehr zu verlieren als dazuzugewinnen, macht sich breit im Hause Europa. Diese Angst nährt sich durch Bilder und Nachrichten, vor denen wir kapitulieren, weil wir meinen, wir können nichts dagegensetzen. Längst hat der Krieg der Meinungen und Überzeugungen hier bei uns Hochkonjunktur, online wie offline. Wir rechnen nicht mit Frieden. Wir berechnen ihn nur: Wieviel Geld dafür in die Hand genommen werden muß, wieviele Waffen dafür nötig sind, wieviele Flüchtlinge wir jetzt wieder zurückschicken können, weil man mit solchen Zahlen gut Wählerstimmen holen kann.

Wir haben uns in unserer Blase eingerichtet. Überall sehen wir Unfriede im Schwebezustand, durch den Ängste und Befürchtungen wachsen. Könige bleiben unter sich, Hirten auf dem Feld ebenso und mittendrin Menschen wie Maria und Joseph im Dunkel der Nacht. Hin und Hergerissen zwischen der Freude über die kommende Geburt und dem Befehl des Kaisers gehen sie los. Hin- und hergerissen zwischen dem Licht göttlicher Verheißung und dem Dunkel irdischer Wirklichkeit kommt Gottes Sohn heute auch zu uns. Hin- und hergerissen zwischen unserem Traum von einer heilvollen Welt und der Welt wie wir sie kennen, berührt uns ihre Geschichte so sehr.

Ich bin froh, dass Weihnachten geworden ist. Denn ich sehe wie ihr auch in dieser Hl. Nacht das Versprechen wie es sein soll. Wenigstens einmal im Jahr den Traum weiter träumen, der nicht im Gestern stehen bleibt, sondern mir die Gelassenheit und Zuversicht gibt, zu hoffen, zu glauben und loszugehen wie Hirten und Könige es taten. Wenigstens einmal im Jahr volle Kirchen und erwartungsvolle Gesichter. Wenigstens einmal im Jahr zusammen mit anderen spüren: Was bisher geschah, liegt hinter uns. Jetzt beginnt eine neue Geschichte Gottes mit dir und mit mir und Engel sagen am Anfang: Fürchte dich nicht!

Hirten und Könige machen sich auf, kommen zusammen unter dem Stern von Gottes Verheißung. Nicht dort wo wir eigentlich gedacht hätten, dass Gottes Sohn zur Welt kommt mit Glanz und Gloria und in warmen Stuben, nicht dort wo wir Gott gerne hätten, sondern dort wo er gebraucht wird, nicht dort wo eh schon gesungen und gebetet wird, sondern nebenan wo es zugig und kalt und ungemütlich ist, wird Gottes Sohn geboren. Da verändert sich die alte Welt wie wir sie kennen. Die Geschichte mit Maria, Joseph, den Hirten und den Königen, läßt mich nicht los. Sie weitet den Blick, mein Herz und meine Sinne für das was Gott noch mit mir und mit seiner Welt vorhat.  Es ist, als ob ich selbst durch Gott mit hineingenommen werde, wie sich was verändern kann in mir und durch mich.

Ich bin wirklich froh, dass Weihnachten geworden ist. Ich bin dankbar, weil die Verrücktheit meiner eigenen Welt, dieses Sorgen und um mich selber kreisen eine Unterbrechung bekommen hat. Morgen- dann wenn der Morgen nach der Hl. Nacht anbricht, wenn dieser heilige Moment , den ich so gerne festhalten möchte,  meinem Alltag weichen wird, dann will ich losgehen. Und was wir hier gehört, gesehen, besungen und gebetet haben, möchte ich weitertragen und die Verheißung der Engel bei mir – ihr fürchte dich nicht ist wie ein Rückenwind von Hoffnung und Zuversicht.  Wie Hirten und Könige will ich losziehen und Gott und seinen Möglichkeiten mehr zuzutrauen als unserem Machbarkeitswahn oder unserer Ohnmacht. Ich will sagen können: Ja das schaffe ich und Ehre sei Gott in Höhe statt nur um sich selbst zu kreisen. Ich will zusammen mit anderen Gottes Shalom als Hoffnung und Verheißung in den Himmel und hier auf Erden malen. In diesem Sinne, Gottes Friede und kein anderer sei mit uns allen heute und alle Tage. Amen.

 

 


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